31/05/2026 0 Kommentare
Tröster
Tröster
# Andacht to go

Tröster
Erinnern Sie sich noch?
Vor ziemlich genau 50 Tagen habe ich Sie gefragt, ob Sie an den Ostertagen „froh“ waren. Jetzt komme ich schon wieder mit der gleichen Frage: Wie froh waren sie am Wochenende?
Warum? Weil zumindest nach dem Gottesdienst am Sonntag in der Pauluskirche beinahe Jede und Jeder Jedem „frohe Pfingsten“ gewünscht hat.
Nun: Das Wetter stand dem Gelingen wohl kaum im Weg – und auf dem traditionellen Pfingsttrödelmarkt in der Hindenburgstraße herrschte, folgt man den Berichten der Medien, auch verkaufsfördernder Frohsinn.
Kurzum: Weithin also gelungene Pfingsttage, egal, ob die Beteiligten noch wussten, worum es bei dem Fest mit dem merkwürdigen Namen überhaupt geht, oder auch nicht.
Übrigens keine Sorge: Jetzt kommt keine Kritik der weit verbreiteten Ahnungslosigkeit, ja noch nicht einmal eine boshafte Bemerkung zur allgemeinen Frohsinn-Wünscherei.
Im Gegenteil: Angesichts der Weltlage samt der Probleme vor Ort tun ein paar Tage zum Abschalten auf jeden Fall gut. Vielleicht konnten Sie dabei ja sogar für den unvermeidlichen Alltag ein wenig Kraft tanken.
Deswegen nur ein Hinweis: Im Johannes-Evangelium bekommt der Heilige Geist – um den geht es an Pfingsten ja bekanntlich – einen Namen: Der Evangelist nennt ihn den „Tröster“, gesandt vom „Gott allen Trostes“, nachdem Jesus „aufgefahren in den Himmel“ ist, wie es in unserem Glaubensbekenntnis heißt.
Spannend ist: „Trösten“ heißt, wenn wir auf das griechische Wort schauen, das im Evangelium ursprünglich verwendet wurde, soviel wie „herbeirufen“.
Der Geist ruft uns gleichsam zu sich – aber warum, genauer wozu?
Zur Antwortfindung hilft mir hier die Erinnerung: Wenn ich als Kind traurig war, womöglich auch weinen musste, sagte mein Vater zumeist: „Komm mal bei mich bei!“ – und nahm mich dann in den Arm.
So ähnlich dürfen wir uns das tröstende Wirken des Geistes vorstellen: Er ruft uns gleichsam heraus aus den manchmal quälenden Alltäglichkeiten unseres Lebens, aus so manchen Anflügen von Resignation, aus dem „man muss da durch“ hin zu der – gerne auch froh machenden – Botschaft: Gott ist nach wie vor auf und in der Welt. Alles Trumps, Putins und Mullahs zum Trotz bleibt diese Welt die seine – und damit verbunden: Wir bleiben Gottes Kinder, egal wie erwachsen wir auch sein müssen und wie elternlos wir uns oft genug fühlen.
In diesem Sinne: Ihnen allen einen gesegneten, weil von dem Gott allen Trostes behüteten Alltag!
Axel Mersmann
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