Grußwort Oberbürgermeister Sven Wolf anlässlich Festgottesdienst am 25.01.2026

Grußwort Oberbürgermeister Sven Wolf anlässlich Festgottesdienst am 25.01.2026

Grußwort Oberbürgermeister Sven Wolf anlässlich Festgottesdienst am 25.01.2026

# Gemeindeentwicklung

Grußwort Oberbürgermeister Sven Wolf anlässlich Festgottesdienst am 25.01.2026

Sehr geehrter Herr Pfarrer Mersmann, meine Damen und Herren, liebe Gemeinde,

wenn ich heute hier vorne stehe, dann tue ich das zwar in meiner neuen Rolle als Oberbürgermeister unserer schönen Stadt. Aber zugleich ist dieser Termin in meiner Gemeinde auch eine Rückkehr an einen Ort, der mir gut vertraut ist – nicht nur räumlich, sondern innerlich.

Viele von Ihnen wissen, dass ich dieser Gemeinde und der evangelischen Kirche in Remscheid eng verbunden bin. Die vielen Jahre meiner Tätigkeit im Presbyterium haben mich geprägt. Begonnen habe ich hier in dieser Gemeinde als junger Mensch in der Jungschar bei Schwester Heidi. Es folgte der Konfi-Unterricht bei Pfarrer Kunze. Und auch meinen Zivildienst durfte ich in dieser Gemeinde – bei Pfarrer Wester – absolvieren.

Nie hätte ich mir damals träumen lassen, dass ich einmal dem ehrwürdigen Presbyterium meiner Gemeinde und der hohen Synode meines Kirchenkreises werde angehören dürfen. Ich danke von ganzem Herzen für die vielen konstruktiven Diskussionen, das Ringen um den richtigen Weg und die Verantwortung, die dabei Ihren Schultern ruht.

Ich weiß, wie viel Herzblut in Ihre Arbeit fließt. Deshalb sage ich heute zuallererst: Danke. Danke für den Mut, diesen großen Schritt der Fusion zu gehen. Sie haben diesen Weg unter ein Motto gestellt, das besser nicht passen könnte: „Hand in Hand.“

Wir leben in unruhigen Zeiten. Draußen in der Welt, aber auch hier bei uns in Remscheid, spüren wir zuweilen einen kalten Wind. Der Ton wird rauer. Das Trennende wird oft lauter betont als das Verbindende.

In dieser Zeit setzen Sie ein Zeichen: „Hand in Hand“ bedeutet nicht, dass alle gleich sein müssen. In Ihrer Einladung schreiben Sie von der „Anerkennung unserer Identitäten“. Das ist der Schlüssel.

Wir müssen nicht gleich sein, um eins zu sein. Wir müssen nicht einer Meinung sein, um am selben Strang zu ziehen. Aber wir brauchen ein gemeinsames Fundament.

In meiner Antrittsrede als Oberbürgermeister habe ich einen Satz in den Mittelpunkt gestellt, der mich in meinem Handeln stets leitet und der für uns alle unverhandelbar ist. Artikel 1 unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Dieser Satz ist der moralische Kompass unserer Bundesrepublik. Und für uns hier in der Kirche ist es noch mehr. Es ist die Übersetzung eines uralten Versprechens in das staatliche Recht.

Wir finden diesen Gedanken im ersten Buch Mose. Der Mensch ist geschaffen zum Bilde Gottes. Jeder Mensch. Unabhängig von Herkunft, Leistung oder Status.

Wenn wir sagen, die Würde ist unantastbar, dann heißt das: Jeder Mensch zählt. Und weil jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist, verbietet sich Hass. Es verbietet sich Hetze. Es verbietet sich das Ausgrenzen derer, die anders sind oder Hilfe brauchen.

Kirche und Rathaus haben hier einen gemeinsamen Auftrag: Wir müssen diese unverbrüchliche Würde schützen. Wir müssen Orte schaffen, an denen Menschen sich sicher fühlen, gesehen werden und respektiert sind.

Die neue „Evangelische Kirchengemeinde Remscheid“ ist ab heute ein solcher Großraum des Respekts. Und damit eine Rückkehr zu dem, was es schon in den 1950er Jahren gab.


Liebe Gemeinde,

Veränderung ist nie leicht. Strukturen zu verändern, Gewohntes aufzugeben, das schmerzt manchmal. Aber Sie haben erkannt: Wer die Botschaft bewahren will, muss die Form wandeln können.

Zu diesem Schritt passt auch die Jahreslosung aus der Offenbarung 21,5: "Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!". Veränderung kann manchmal Angst machen, gerade in stürmischen Zeiten. Doch unser gemeinsamer Glaube gibt uns Kraft und Hoffnung für Erneuerung in schwierigen Zeiten.

„Hand in Hand“ in die Zukunft zu gehen, erfordert Vertrauen. Vertrauen in die Sitznachbarn, Vertrauen in die Leitung – und das Urvertrauen darauf, dass wir diesen Weg nicht alleine gehen.

Bleiben Sie nah an den Menschen in dieser Stadt und seien Sie zuweilen auch laut für die Menschen in der Stadt. Nutzen Sie die neue Struktur, 

damit wir nach der Fusion mehr ev. Kirche haben – und nicht weniger!

Damit wir mehr Würde finden – und nicht weniger!

Damit Sie mit genügend Mitteln Hilfe anbieten – und nicht weniger!

Ich wünsche Ihnen für dieses Gründungsjahr Kraft, gute Nerven und die für uns Remscheiderinnen und Remscheider typische Zuversicht. Bleiben Sie mutig. Bleiben Sie ein Anker für die Menschenwürde in unserer Stadt.

Für diesen gemeinsamen Weg wünsche ich Ihnen alles Gute und Gottes reichen Segen!

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