02/07/2026 0 Kommentare
Paul Gerhard - Leben und Gottvertrauen
Paul Gerhard - Leben und Gottvertrauen
# Personen des christlichen Lebens

Paul Gerhard - Leben und Gottvertrauen
Am Samstag, dem 6. Juni 2026, jährte sich der Todestag des Theologen und Dichters Paul Gerhardt zum 350. Mal (nach dem gregorianischem Kalender).

Start in eine schwere Zeit
Geboren wurde Paul Gerhardt am 12. März 1607 im kursächsischen Gräfenhainichen. Sein Leben war fast von Anfang an durch Not und Verlust geprägt. Im Alter von zwölf Jahren verstarb sein Vater, zwei Jahre später verlor er auch seine Mutter. Als Vollwaise besuchte er die Fürstenschule in Grimma. Seine Schulzeit verbrachte Paul Gerhardt nicht nur in einem ehemaligen Klostergebäude – Lernen und Erziehung waren ebenfalls durch die klausurartige Ausrichtung der Schule klosterähnlich geprägt. Mit etwa zwanzig Jahren schloss Paul Gerhardt die Schule ab, um sich anschließend dem Theologiestudium in Wittenberg zu widmen. Doch nach Abschluss des Studiums fehlten freie Pfarrstellen, sodass Gerhardt sich lange Jahre als Hauslehrer seinen Lebensunterhalt verdienen musste. Neben den persönlichen Herausforderungen waren es die politischen und gesellschaftlichen Umstände seiner Zeit, die das Leben Paul Gerhardts prägten: Der Dreißigjährige Krieg tobte mit seinen Wirren und Verheerungen durch Europa.
Von Schicksalsschlägen begleitet
Ein Lichtblick war dann die Eheschließung mit Anna Maria Berthold, die er während seiner Hauslehrertätigkeit in Berlin kennenlernte. Fünf Kinder wurden dem Paar geschenkt. Vier von ihnen starben bereits in frühen Jahren, nur ein Sohn überlebte den Vater. Weitere schwere Schicksalsschläge für Paul Gerhardt und seine Ehefrau Anna Maria. Nach einigen Jahren im Pfarramt in Mittenwalde wurde Paul Gerhardt nach Berlin auf die Pfarrstelle der Nikolaikirche berufen. Doch auch hier drohte nach kurzer Zeit wieder Ungemach. 1666 wurde Paul Gerhardt seines Amtes durch den Kurfürsten enthoben, da er sich geweigert hatte, das Toleranzedikt des Kurfürsten zu unterzeichnen, das den Religionsfrieden und Toleranz zwischen Lutheranern und Reformierten sichern sollte. Gerhardt – alles andere als ein religiöser Fanatiker – sah sich dennoch durch eine Unterschrift in seinem religiösen Gewissen belastet. Zwei Jahre blieb Paul Gerhardt ohne Pfarramt. In dieser Zeit starb auch seine Frau Anna Maria. Erst 1669 trat er eine weitere Pfarrstelle in Lübben an, die er bis zu seinem Tod 1676 innehatte.
Ein Vers-ein Lied zum Trost
Die Erfahrungen von Krieg, Krankheit und Tod prägten Paul Gerhardt tief. Sie spiegeln sich besonders in seinen Gedichten, die schon früh – etwa von Johann Crüger – vertont wurden und Eingang in die Gesangbücher fanden. Zu seinen bis heute bekanntesten Liedern bzw. Versen gehören „Geh aus, mein Herz, und suche Freud", „Die güldene Sonne" und „Befiehl du deine Wege".

Was ließ Paul Gerhardt das Leid, den Tod und die Unbillen seines Lebens aushalten?
Es war eine tiefe, von Vertrauen geprägte Frömmigkeit. Aus seinen Versen spricht ein großes „Trotzdem“, ein „Trotzdem“ des Glaubens, das dem Leid das Vertrauen auf Gott entgegensetzt. Paul Gerhardt hat mit seinen Versen das Leid nicht übertönt, sondern es durch-dichtet. So wie er es zum Beispiel in einer Strophe des Liedes „Befiehl du deine Wege" formuliert:
Mach End, o Herr, mach Ende
mit aller unsrer Not;
stärk unsre Füß und Hände
und lass bis in den Tod
uns allzeit deiner Pflege
und Treu empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiss zum Himmel ein.
Zugleich weisen diese Verse auf ein weiteres Element der Frömmigkeit Paul Gerhardts hin: die Hoffnung und das Vertrauen auf Gottes Himmelreich – „so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein." Nicht im Sinne einer Vertröstung, sondern im festen Vertrauen darauf, dass nicht Leid und Tod das letzte Wort haben, sondern Gottes Liebe. Alles, was den Menschen hier auf Erden bewegt – sei es Leid oder materielles Glück –, kann immer nur ein Vorletztes sein. Am Ende stehen Gott und sein Paradiesgärtlein.
Pfr. Jens Eichner
Ergänzende Informationen aus musikalischer Sicht finden Sie im Blogbeitrag:
Paul Gerhardt – der Dichter lebendiger Bilder von Kantorin Ursula Wilhelm
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