Paul Gerhardt – der Dichter lebendiger Bilder

Paul Gerhardt – der Dichter lebendiger Bilder

Paul Gerhardt – der Dichter lebendiger Bilder

# Personen des christlichen Lebens

Paul Gerhardt – der Dichter lebendiger Bilder
Mit großer Präsenz

In unserem Gesangbuch stehen 27 Lieder von Paul Gerhardt, mit insgesamt sage und schreibe 300 Strophen. Damit übertrifft er alle anderen Liederdichter, einschließlich Martin Luther. Auch in der Beliebtheitsskala nimmt er einen der höchsten Plätze ein – und das war schon immer so. Zur Beliebtheit der Paul-Gerhardt-Lieder damals und heute tragen seine verständliche Sprache und seine anschaulichen Bilder bei. Sie sprechen die Singenden und Hörenden emotional an und tragen gleichzeitig eine tiefe Symbolik in sich. Licht und Sonne vermitteln uns gedanklich Helligkeit, Freude und Wärme. Lichtquellen wie Fackeln stehen dabei auch für das, was wir nur im Hellen erkennen können, für Erleuchtung. Wir sagen ja auch: uns geht ein Licht auf, wenn wir plötzlich etwas begreifen. Weitere häufige Bilder sind Wasser, sprudelnde Quellen, lebenspendende Brunnen, so wie in dem Lied Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324): „Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.“

Klang der Sprache

Eindeutig hat Paul Gerhardt auch ein Ohr für den Klang der Sprache. Er spielt richtiggehend mit ihm. Hören wir doch mal auf die Klänge in einem seiner beliebtesten Lieder: Geh aus mein Herz, und suche Freud (EG 503). Vokalhäufungen mit hellen Vokalen lassen die Bilder hell strahlen (i-i-i-i: die Lerche schwingt sich in die Luft; die ziehen sich viel schöner an). In Vokalreihungen wechseln sich je zwei Vokale gleichmäßig ab (o-e / o-e / o-e: des großen Gottes großes Tun). Auch die regelmäßig mit gleichem Klang beginnenden Wörter fallen ins Ohr (sogenannte Alliterationen: Gottes Gaben; Salomonis Seide; des großen Gottes großes Tun). Neben den Klängen werden auch Wortbedeutungen verdoppelt (Narzissus und die Tulipan; Stärk und Kraft; Blum und Pflanze). Durch solche Sprachspiele und sorgfältige Formulierungen sehen wir die gezeichneten Bilder lebendig vor unserem inneren Auge: Die Lerche fliegt nicht nur – sie schwingt sich in die Luft, die Bächlein fließen nicht nur irgendwie, sie rauschen und zeigen damit eine größere, beeindruckendere Wasserfülle als ein nur plätscherndes Bächlein. Nicht enden wollendes Fließen in der zweiten Hälfte der Strophe 6 hört man durch das ununterbrochene Strömen des Satzes: „des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft“. Dagegen wird das Hin und Her der Bienenschar schon durch den unterbrochenen Sprachfluss deutlich: „fliegt hin und her, sucht hier und da“.

Gottes Schöpfung

Schöne Naturbeschreibungen – doch wozu dichtet Paul Gerhardt das in einem Kirchenlied? Nachdem er bis zur 7. Strophe die wunderbare Natur, Gottes Schöpfung, so anschaulich beschrieben hat, spricht nun das lyrische Ich: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen.“ Das steckt mich an, in das Lob einzustimmen – und weckt nicht nur die Sinne, sondern auch das Nach-Sinnen. Nun ist nicht mehr vom Garten im wörtlichen Sinn die Rede, sondern im übertragenen Sinne; es folgt eine Ausdeutung:  Die Bilder aus der Natur werden zu Metaphern: Jetzt fließen nicht mehr die Bächlein, sondern – so hoffen wir – Gottes Segen: „Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe.“ Und Paul Gerhardt endet, wie so häufig in seinen Liedern, mit einem Ausblick in die Ewigkeit. Das ist aber kein Vertrösten auf das Jenseits, sondern eine enge Verbindung – Hier und Dort gehören zusammen:

 

Erwähle mich zum Paradeis
Und lass mich bis zur letzten Reis
An Leib und Seele grünen.
So will ich dir und deiner Ehr
Allein und sonsten keinem mehr
hier und dort ewig dienen.

 

Kantorin Ursula Wilhelm

Mit Klick auf das Bild gelangen Sie zum youtube Video "Geh aus mein Herz und suche Freud"  - eine Variation von Kantorin Ursula Wilhelm

Geh aus - mein Herz_Kuckucksruf

Ergänzende Informationen aus seelsorgerischer Sicht finden Sie im Blogbeitrag:

Paul Gerhardt – Leben und Gottvertrauen von Pfarrer Jens Eichner


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