Vom Aushalten

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# Andacht to go

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Es war wieder eine dieser Wochen. Voll. Schwer. Eine Beerdigung nach der anderen. Von einem Grab zum nächsten bin ich gegangen, habe gesprochen, gebetet, geschwiegen. Und am Ende, als wir am offenen Grab standen, fragte mich eine Frau unter Tränen: „Wie halten Sie das nur aus?“

Die Frage hat mich überrascht. Und ich habe geantwortet: „Es ist meine Aufgabe, da zu sein, wenn andere es nicht sein können. Worte zu finden, wenn Trauernden die Worte fehlen.“

Doch seitdem begleitet mich diese Frage: Wie hält man das aus? So viel Abschied. So viel Schmerz.

Ich glaube, ich halte es nicht aus eigener Kraft aus. Ich halte es aus, weil ich nicht alleine dort stehe. Da stehen Familien, Freundinnen, Freunde. Menschen, die lieben konnten – und deshalb jetzt leiden. Ihre Liebe ist größer als der Tod. Das spürt man.

Und ich halte es aus, weil ich glaube, dass Gott selbst dieses Gefühl der Trauer kennt.

Unterm Kreuz Jesu standen schließlich auch Trauernde. Seine Mutter. Seine Freunde. Menschen, die nicht verstanden, warum alles so enden musste. Sie standen hilflos da. Mit gebrochenem Herzen. Karfreitag ist die Geschichte von Verlust und Schmerz.

Das bedeutet: Wenn wir am Grab stehen, stehen wir nicht im Niemandsland. Gott war schon da. Gott kennt Tränen. Gott kennt die Frage nach dem „Warum?“. Aber das Kreuz ist nicht das Ende der Geschichte.

Ostern erzählt davon, dass der Tod nicht das letzte Wort behält. 

Dass aus einem Grab neues Leben kommt. Dass Hoffnung dort wächst, wo alles verloren scheint. Ostern ist kein billiger Trost. Es nimmt den Schmerz nicht sofort. Aber es sagt: Die Liebe ist stärker. Das Leben ist stärker. Gott ist stärker als alles, was uns trennt.

Vielleicht halte ich die vielen Abschiede deshalb aus, weil ich zwischen Karfreitag und Ostern lebe. Ich sehe den Schmerz, aber ich glaube an die Auferstehung. Ich begleite Menschen in ihrer Trauer und halte mit ihnen an der Hoffnung fest, dass niemand verloren ist bei Gott. Und diese Hoffnung gilt überall dort, wo Menschen kämpfen: mit Krankheit, mit Angst, mit Einsamkeit. Ostern bedeutet: Es gibt mehr als das, was wir gerade sehen.

Bleiben Sie hoffnungsvoll!

Ihre Pfarrerin

Greta Wolske

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