20/09/2026 0 Kommentare
Wenn ein Moment alles verändert: 30 Jahre Notfallseelsorge mit Uli Geiler
Wenn ein Moment alles verändert: 30 Jahre Notfallseelsorge mit Uli Geiler
# Aktuelles aus der Gemeinde

Wenn ein Moment alles verändert: 30 Jahre Notfallseelsorge mit Uli Geiler
Veröffentlicht von Katrin Volk am Sonntag, 6. September 2026 auf der Homepage des KK Lennep.
Eine volle Lutherkirche, viele Wegbegleiterinnen, Mitstreiter und ein Abschied, bei dem deutlich wurde, wie viel kirchliche Arbeit manchmal gerade dort geschieht, wo sie kaum jemand sieht: Der Evangelische Kirchenkreis Lennep hat Pfarrer Uli Geiler nach 30 Jahren in der Notfallseelsorge verabschiedet. Zugleich wurde Ben Sulzbacher als neuer Koordinator eingeführt.
Notfallseelsorge beginnt oft in einem Moment, auf den niemand vorbereitet ist. Nach einem plötzlichen Todesfall. Nach einem schweren Unfall. Wenn eine Todesnachricht überbracht werden muss. Wenn Angehörige warten, Einsatzkräfte an ihre Grenzen kommen oder Menschen begreifen müssen, dass ihr Leben gerade eine andere Richtung genommen hat.
Dann geht es zunächst nicht darum, Antworten zu haben. Es geht darum, da zu sein.
Für Uli Geiler war genau das über drei Jahrzehnte eine zentrale Aufgabe seines Pfarrdienstes. Mehr als 2.000 Einsätze der Notfallseelsorge fallen in die Zeit seines Wirkens im Evangelischen Kirchenkreis Lennep.
Bei seinem Abschied am 6. September in der Lutherkirche Remscheid wurde spürbar, wie viele Verbindungen dabei entstanden sind. Vertreterinnen und Vertreter von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten waren ebenso gekommen wie haupt- und ehrenamtliche Notfallseelsorger*innen, kirchliche Mitstreiter*innen und viele Menschen, die Pfarrer Uli Geiler über Jahre begleitet haben.

Aus einer Aufgabe wurde eine Leidenschaft
Superintendentin Annette Cersovsky erinnerte an die Anfänge: Uli Geilers seelsorglicher Weg im Kirchenkreis führte zunächst über die Campingseelsorge. Die Notfallseelsorge wurde später zu einem Arbeitsfeld, das er mit großer Leidenschaft weiterentwickelte.
Dabei ging es ihm nicht allein um die unmittelbare Begleitung von Betroffenen. Ein wichtiges Anliegen war ihm auch die Qualifizierung ehrenamtlicher Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger – und die Frage, wer eigentlich diejenigen auffängt, die beruflich immer wieder mit Leid, Tod und Extremsituationen konfrontiert werden.

Daran erinnerte auch Remscheids Feuerwehrchefin Katharina Kluge. Sie würdigte besonders Uli Geilers empathische Art und seinen beharrlichen Blick auf die Einsatzkräfte selbst: Nach belastenden Einsätzen brauchen manchmal auch Feuerwehrleute, Rettungskräfte oder Polizeibedienstete einen geschützten Raum für das Erlebte.
Remscheids Oberbürgermeister Sven Wolf erinnerte an dessen langjährige Verbundenheit mit den Einsatzkräften der Stadt, unter anderem an die Besuche an Heiligabend bei der Berufsfeuerwehr.
Und Bianca van der Heyden, Leiterin des Landespfarramtes für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, brachte die Wirkung von drei Jahrzehnten auf einen einfachen Satz: Uli Geiler werde „große Spuren“ hinterlassen.
Notfallseelsorge ist längst ohne Ehrenamt nicht denkbar
Der Blick über den Kirchenkreis hinaus zeigt, welche Dimension diese Arbeit inzwischen erreicht hat.
In der Evangelischen Kirche im Rheinland sind rund 1.200 Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger im Einsatz. 77 Prozent von ihnen arbeiten ehrenamtlich. Rund 5.000 Einsätze kommen jedes Jahr zusammen.
Diese Zahlen erzählen allerdings nur einen Teil der Geschichte. Hinter jedem Einsatz stehen Menschen, die einen außergewöhnlichen Moment erleben. Und Menschen, die bereit sind, hinzugehen, zuzuhören, auszuhalten und für eine begrenzte Zeit mitzutragen.
Gerade darin zeigt sich eine besondere Form kirchlicher Präsenz: Notfallseelsorge fragt nicht zuerst danach, ob jemand einer Kirche angehört oder wie religiös ein Mensch ist. Sie ist für Menschen da, wenn sie gebraucht wird.
Das ist Seelsorge sehr konkret.
Nicht allein lassen, wenn die Worte fehlen
Was kann Kirche in einer Gesellschaft leisten, in der viele traditionelle Bindungen schwächer werden?
Die Notfallseelsorge gibt darauf eine sehr praktische Antwort.
Sie hält keine fertigen Lösungen bereit. Sie kann einen Verlust nicht rückgängig machen und einen Schock nicht ungeschehen machen. Aber sie kann verhindern, dass Menschen in einem außergewöhnlichen Moment allein bleiben.
Dafür braucht es Professionalität und gute Ausbildung. Es braucht die enge Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten. Vor allem aber braucht es Menschen, die bereit sind, sich anderen in Situationen zuzuwenden, vor denen man im Alltag lieber Abstand hält.
Dass so viele Menschen zum Abschied von Uli Geiler in die Lutherkirche gekommen waren, erzählte deshalb auch etwas über den Stellenwert dieser Arbeit.
Ein Abschied – und ein neuer Anfang
Bei aller Dankbarkeit für 30 Jahre Notfallseelsorge war der Gottesdienst zugleich ein Aufbruch.
Mit Ben Sulzbacher übernimmt ein erfahrener Seelsorger die Koordination der Notfallseelsorge im Kirchenkreis Lennep. Sulzbacher koordiniert zugleich die Notfallseelsorge in Wuppertal und übernimmt im Kirchenkreis Lennep Verantwortung im Zentrum für Seelsorge und Beratung (ZeeBra).

Damit kommen Arbeitsfelder zusammen, die im Kern dieselbe Frage stellen: Was brauchen Menschen, wenn das Leben schwierig wird – und wie kann Kirche dann verlässlich an ihrer Seite sein?
Für Uli Geiler beginnt nach drei Jahrzehnten ein neuer Lebensabschnitt. Vieles von dem, was er aufgebaut und geprägt hat, bleibt.

nd für Ben Sulzbacher beginnt eine Aufgabe, bei der er auf einem starken Netzwerk aufbauen kann – aus haupt- und ehrenamtlicher Seelsorge, Kirche, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten.

Der Staffelstab ist weitergegeben.
Die Aufgabe bleibt dieselbe: da zu sein, wenn ein Moment alles verändert.
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